Der Ausreisekurs

Berlin, 03.Juli

Ziel: Gästehaus Lazarus in Berlin Mitte – Brot für die Welt Ausreisekurs

Mit leichter, staubegründeter Verspätung eilte ich zum Gästehaus. Den Eingang fand ich, anders als beim Auswahlseminar, sofort. Ich dachte zurück an den Dezember, als ich das letzte Mal hier war. Mit großen Augen und einer unheimlichen Nervosität betrat ich damals (ebenfalls verspätet) das Lazarus, mit der Hoffnung, wieder hierher zurückkehren zu dürfen, allerdings als ausgewählte Freiwillige.
Nun stand ich da.

Das Zimmer war schnell gefunden und die ersten Kontaktaufnahmen mit den anderen Freiwilligen liefen sehr erfolgreich. Ich spürte auch dort wieder, was mich das letzte Mal schon so beflügelte: die allgemeine Motivation, der Wille aktiv zu werden und eine große Freundlichkeit, wie man sie von (zunächst) Fremden nicht oft entgegengebracht bekommt.

Wir Brot für die Welt Freiwilligen. Die nächsten 18 Tage sollten wir nun also miteinander verbringen und dann, kurz darauf, in die 5 Einsatzländer – Georgien, Kamerun, Sambia, Costa Rica und Kambodscha – gehen. Unsere gemeinsame Zeit sollte gespickt sein mit Seminaren über die verschiedensten Themen, über die man schon beim ersten Blick auf den Wochenplan die Übersicht verlor.

 

Die Anfangszeit wurde zunehmend davon bestimmt, sich die unterschiedlichen Gesichter und Namen zu merken und sie mit dem Ausreiseland und dem dortigen Projekt in Verbindung zu bringen. Es war unheimlich spannend zu erfahren, welche Projekte es in den Gastländern so gibt, wodurch die Kaffee- und Teepausen immer sehnlichst erwartet wurden, damit man angefangene Gespräche fortsetzen konnte.

Doch auch die Seminarthemen waren sehr interessant. Gleich zu Beginn lernten wir unsere Entsendeorganisation Brot für die Welt, deren Strukturen und Arbeitsbereiche besser kennen.
Es folgten entwicklungspolitische und gesellschaftliche Themen, wie zum Beispiel Kolonialisierung und deren Auswirkungen auf die heutige Zeit, fairer Handel und Ökotourismus, Geschlechtergerechtigkeit und auch Missionierung. Auch gab es viel Raum zur Selbstreflexion eigener Erwartungen und Vorstellungen.

Soweit zur trockenen Theorie. Doch wie sah so ein Seminartag denn eigentlich in der Realität aus?
Was bei all den Aufzählungen über die verschiedenen Themen und Informationen nicht genannt wurde, ist die Anzahl und Qualität des Essens, die etwa proportional zur Anzahl der auf uns einströmenden Informationen war und damit die allgemeine Motivation stets auf einem gesunden Stand hielt.
Dabei stand man meist gegen 8/8.30 Uhr auf und eilte zum Frühstück, das gleich im Gästehaus stattfand. Gesättigt durch Brötchen, Joghurt und Obst und mit einem Kaffee oder Tee in der Hand eilte man dann zum Seminar, bei dem man selbstverständlich auf die Minute genau pünktlich 9.00 Uhr erschien. Meistens.
In der Mitte des Raumes nahm man dann auf einem Sitz im Stuhlkreis Platz, von dem aus schon neugierig die Snacks und Teesorten des Tages beäugt wurden. Diese Snacks konnten von Keksen über Obst bis hin zu Kuchen variieren und überbrückten die Zeit vom Frühstück bis zur Mittagspause um 12.30 Uhr.
Das Mittagessen wurde ebenfalls im Lazarus eingenommen und bestand stets aus einem Salat, dem jeweils vegetarischen oder nicht-vegetarischen Hauptgericht und einer Nachspeise.
Leicht überfüllt fand dann zunächst eine Mittagsruhe statt, die in meinem Fall, bzw dem Fall meines Zimmers, zum kollektiven Schlafen genutzt wurde.
14.30 Uhr begann dann das nächste Seminar, bereichert durch eine aufgefrischte Kaffee-/Teeoase und zwei großen Platten voller Kuchen.
Das Tagesende wurde dann zumeist gegen 18.30 Uhr im angrenzenden Mauercafé durch ein umfangreiches Abendessen, bestehend aus Salat, einer warmen Speise und einem Nachtisch, zelebriert.

Kurzum – für das Wohl der Freiwilligen wurde stetig mit großer Aufmerksamkeit gesorgt. Nicht nur auf kulinarischer Ebene, auch wenn die durchaus nicht zu vernachlässigen ist, sondern auch auf intellektueller und emotionaler Ebene.
Unsere Teamer hatten stets ein offenes Ohr für alle Fragen und Gedanken, die in uns zwischen dem täglichen Kuchen und den Informationen der jeweiligen Einheit aufkamen, was uns sehr viel Sicherheit schenkte.

Auch wir Freiwilligen unter uns wurden schnell zu einer eingeschweißten Gruppe, nicht zuletzt durch die durchgesungenen Nächte in der Karaokebar. Ich bin sehr dankbar dafür, so viele interessante und motivierte Menschen kennengelernt zu haben und freue mich schon sehr drauf, alle in einem Jahr beim Rückkehrseminar wiederzusehen.

Doch noch bevor es dazu kommt, findet zunächst ein Wiedersehen an einem anderen Ort statt.
Dem Flughafen.
Die „Cambodia Crew“, bestehend aus Tess, Jana, Anna, Martin und mir (ich hab die Blogs mal gleich verlinkt), trifft sich am 07.08. in Frankfurt am Flughafen, von wo aus wir gemeinsam über Bangkok nach Phnom Penh fliegen. Ich freue mich schon sehr auf dieses Wiedersehen, denn schon in den zwei Wochen Vorbereitungskurs sind wir durch gemeinsame Khmer-Übungsstunden, verschiedenste Rollenspiele, die bei uns immer in kleinere Theaterstücke ausgeartet sind und das wunderschöne Abendessen beim Kambodschaner, ziemlich zusammengewachsen.

Hinblickend auf den Freiwilligendienst fühle ich mich nun gut vorbereitet und ausgestattet mit, teilweise wortwörtlichen, Werkzeugen im Gepäck, die mir mein Leben dort hoffentlich etwas erleichtern werden.
Ich bin sehr dankbar für die Vorbereitung und Unterstützung, die wir von Brot für die Welt erhalten, einer Organisation, von der ich nach diesen zwei Wochen noch beeindruckter bin, als ich es vorher schon war.

 

 

ANMERKUNGEN DER REDAKTION:
Dieser Post hätte schon vor zwei Wochen online kommen sollen, ging aber in den Tiefen meines Rucksacks beim Packen verloren. Hab ihn beim Auspacken wiedergefunden und wollte ihn euch nicht vorenthalten.

 

Datei_001
Eine kleine Auswahl des Kuchens
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Amok Moan – ein kambodschanisches Nationalgericht
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Wir Brot für die Welt-Freiwilligen
Datei_004
Die Cambodia Crew in einer Khmer Tanzpose
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