Vorbereitungsgeschichten

Kambodscha also.

Wo liegt das gleich nochmal? Was spricht man dort eigentlich? Wie sieht es da mit der Religion aus? Was gibt es dort für Verhaltensregeln – wodurch könnte ich unhöflich wirken? Wo arbeite und wohne ich da eigentlich genau? Wie sieht es mit der Geschichte und aktuellen Politik des Landes aus? Wie leben die Menschen dort? Wie werde ich leben?

2000 Fragen folgten auf die simple Aufgabe, sich auf den Freiwilligendienst vorzubereiten.

Schon beim Auswahlwochenende erklärte mir meine Entsendeorganisation Brot für die Welt, dass eine umfassende Vorbereitung wichtig sei und gab einige Anreize dazu, wie diese aussehen könnte. Das war im Dezember – nun ist es Juli und überraschend schnell verging die Zeit. In einem Monat, am 07. August werde ich mit 4 weiteren Freiwilligen nach Kambodscha fliegen.

Doch wie habe ich letztendlich die Zeit genutzt und diese zunächst sehr einfach scheinende Aufgabe gelöst?

Ich las. Viel. Die Seite vom Auswärtigen Amt über Kambodscha, mit Reisewarnungen und Sicherheitshinweisen, die meine Eltern dezent verunsicherten.
Ich las Blogs von ehemaligen Freiwilligen, die mit verschiedensten Organisationen in die verschiedensten Länder gingen, von China über Peru bis schließlich Kambodscha. Deren Geschichten ließen mich träumen von einer Welt außerhalb meines Klassenraumes, in dem ich sie meistens verschlang. An dieser Stelle eine kleine Entschuldigung an meinen Mathelehrer und ein Dankeschön dafür, dass ich die Zeit, in der ich verpflichtet war, anwesend zu sein, nicht nur in der Gegend rumstarren musste, sondern es geduldet wurde, dass ich mich durch mein Handy auf der ganzen Welt – nur nicht im Matheunterricht aufhielt.

Empfehlenswert für jene, die auch in irgendeiner Form künftig nach Kambodscha reisen werden, ist das Buch „Kulturschock Kambodscha“ von Sam Samnang. Darin findet man viele Informationen über die Geschichte und Kultur Kambodschas und einige Verhaltenstipps.

Bei meinen ausgiebigen Recherchen fielen mir einige Dinge auf. Beispielsweise wie vielfältig das Land doch ist und wie viel es davon zu lernen gibt, fernab von der geografischen Lage (in dem Fall überraschenderweise nicht in Afrika, sondern in Asien, falls noch jemand so gern in Geografie geschlafen hat wie ich), sondern insbesondere über deren Geschichte und den Alltag der Menschen dort. Kambodscha hat eine wahnsinnig spannende und sehr bewegende Geschichte, von der Leute in meinem Alter größtenteils nichts wissen.
Zum Beispiel, dass in der Zeit der Roten Khmer 1975-1979 (Khmer spricht man übrigens nicht Kmer sondern Kmai aus), einer Guerillabewegung, die einen radikal-kommunistischen Bauernstaat errichten und im Zuge dessen alle vermeintlich Intellektuellen auslöschen wollten. In diesen vier Jahren wurde ein Viertel der gesamten kambodschanischen Bevölkerung ermordet. Als Intellektuell konnte man schon gelten, wenn man nur eine Fremdsprache sprach oder auch nur eine Brille trug.
Die Brutalität dieser Regierung ist erschreckend und das Trauma, das die kambodschanische Gesellschaft erlitt, wurde kaum aufgearbeitet.

Dieser Auszug aus der Geschichte Kambodschas ist aber nur eine, zugegeben, sehr dramatische Facette des sehr vielfältigen Landes, das es wirklich wert ist, sich darüber zu informieren.

Ebenfalls hilfreich waren Gespräche mit meinen zukünftigen Kollegen bei KCD, der NGO, bei der ich arbeiten werde (dazu gibt es demnächst auch noch einen Post). Dabei hatte ich nicht nur die Gelegenheit mit meiner Chefin Sokha und Alain, einem deutsch-französisch-englischsprachigen Mitarbeiter KCDs, zu skypen, sondern konnte mich sogar schon persönlich mit Kollegen und einer ehemaligen Freiwilligen treffen, die gerade auf Reisen in Deutschland waren und für ein paar Stunden nach Halle kamen. Durch die Gespräche lernte ich viel über das aktuelle politische Geschehen in Kambodscha, über das ich wohl in Zukunft noch schreiben werde, sobald ich noch ein bisschen mehr darüber erfahren kann. Im Juli 2018 findet die nächste Parlamentswahl statt, die schon mit Spannung erwartet wird.

Zusätzlich mit all den Informationen über das Land, die mein Allgemeinwissen erweiterten, wurde auch mein Immunsystem auf einige, teils tropische Krankheiten vorbereitet. Zahlreiche Nadeln fanden den Weg in meine Arme, die mich dann gegen Tollwut, Typhus, Hepatitis und japanische Enzephalitis impften.
Hierbei ein kleiner Tipp für zukünftige Impfungen: Geht besser nicht zwei Tage vor der Impfung in die Sonne. Ohne Sonnencreme. Mehrere Stunden.
Nadeln und Sonnenbrand vertragen sich nur bedingt gut.

Auch meine Fremdsprachenkenntnisse fanden etwas Zuwachs. Die Landessprache Khmer (wird auch wieder Kmai ausgesprochen) klang dabei zunächst etwas fremd für meine westlichen Ohren, aber bisher habe ich erfolgreich die Formeln für „Guten Tag“, „Hallo“, „Mein Name ist Maria“ und „Wie geht es dir?“ gelernt. Ohne die Imitation von YouTube Tutorials wäre das allerdings kaum möglich gewesen, da die Aussprache doch ziemlich schwierig ist.
Wer mal in die musikalischen Sphären der kambodschanischen Kultur eintauchen will, findet hier ein typisches (Liebes-)Lied. Diese Art von Liedern machen wohl den Großteil der Khmer Musik aus und erklingen überall. Inhaltlich geht es um gebrochene Herzen, Liebe und Sehnsucht. In allen Varianten.
Vielleicht lass ich mir da doch noch ein bisschen Zeit mit dem Khmer lernen.

Um meine Vorbereitungen abzurunden ging ich im Mai auch mit Freunden im Berlin zum Kambodschaner „Angkor Wat“ essen. Hierbei lässt sich nur sagen – wenn das Essen vor Ort nur ähnlich schmeckt, dann wird das Jahr durchaus schmackhaft.

Je mehr ich in meinen Vorbereitungen versank, umso mehr freute ich mich darauf, das Gelernte bald anwenden zu können. Dabei fiel mir auf, dass allein hier schon das weltwärts-Programm, das ja primär ein Lerndienst ist, erfolgreich war.
Ohne die Aussicht auf ein Leben in Kambodscha hätte ich nie so viel über das Land gelesen und gelernt, insbesondere, da die Motivation zu lernen gerade in der Zeit nach dem Abi eher stark gesunken war. Stattdessen konnte ich kaum genug erfahren.

Und hier ist Kambodscha ein besonderes von vielen besonderen Ländern, über die es nicht weniger zu lernen und zu erfahren gibt.
Also, liebe Leser, lest und lernt, denn es gibt so viel Interessantes.

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3 Kommentare zu „Vorbereitungsgeschichten

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  1. Hallo Maria, bis hierhin schon mal sehr interessant zu lesen. Ich hab deinen feed auf jeden Fall abonniert und warte gespannt auf deinen nächsten post. Ich wünsche Dir alles Gute bei deinem Einsatz und viele neue, interessante Eindrücke und Erfahrungen.
    LG Michael

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