Die Geschichte von den Auswahlwochenenden

In den letzten zwei Monaten hat sich im Hinblick auf meinen Freiwilligendienst viel getan.Wie im letzten Post beschrieben, habe ich mich bei AFS und Brot für die Welt beworben. Anders als ursprünglich vorgenommen blieb es auch bei den beiden Organisationen – und von beiden wurde ich zum Auswahlwochenende eingeladen.

Für die, die sich gerade auf ihr Auswahlwochenende vorbereiten wollen oder für die, die es interessiert, möchte ich meine Eindrücke hier nochmals beschreiben.

AFS

Zur Organisation:

AFS steht für „American Field Service“ und ist eine gemeinnützige NGO (Non-Governmental Organization), die sich für interkulturelle Begegnungen einsetzt. Sie besteht hauptsächlich aus ehrenamtlichen Mitarbeitern und so waren auch die Teamerinnen beim Auswahlwochenende ehemalige Freiwillige.
An den Wochenenden wurden die Bewerber*innen für alle angebotenen Freiwilligenprogramme eingeladen, denn AFS bietet nicht nur den weltwärts-Freiwilligendienst, sondern auch den IJFD und ein eigenes Kurzzeitfreiwilligenprogramm an.

Zum Wochenende:

Ich glaube, für das Auswahlwochenende wurde keine wirkliche Vorauswahl der Bewerber*innen getroffen. Die Teilnahmegebühr betrug 70 Euro und es wurden etwa 35 Jugendliche eingeladen.

Das Wochenende, insofern man diese 24 Stunden, die wir zusammen verbracht haben Wochenende nennen kann, wurde von 4 ehemaligen Freiwilligen moderiert. Innerhalb dieser sehr intensiven 24 Stunden führten wir diverse Gruppendiskussionen, zum Beispiel wie man sich einen Unterstützdendenkreis sucht oder ob es „moralischer“ sei, einen gesunden Hund einzuschläfern, einer ausländischen Familie keine Wohnung zu vermieten oder bei einer faschistischen Demo als Gegendemonstrant einen Stein in die Masse der Demonstrierenden zu werfen.

Zudem sollten wir einen Gegenstand mitbringen, der uns charakterisiert und uns irgendwie ausmacht. Ich hab eine japanische Teekanne ausgewählt, aus mehr oder weniger offensichtlichen Gründen.

Das alles war unheimlich interessant, machte mir aber auch deutlich, dass AFS nicht unbedingt meine präferierte Organisation ist. Warum?

Nach einem 15 minütigen Einzelgespräch hat die jeweilige ehrenamtliche Teamerin herausfinden sollen, ob der Bewerbende geeignet oder ungeeignet für einen Freiwilligendienst ist und in welches Land er eingeteilt werden könnte.
Zum einen sind 15 Minuten einfach viel zu wenig Zeit um das herausfinden zu können und zum zweiten – und das tut mir jetzt sehr leid für die wirklich netten Teamerinnen, die sich echt große Mühe gegeben haben – hatte ich einfach nicht das Gefühl, dass sie erfahren genug waren, um das einschätzen zu können.

Ich hab mich dadurch nicht wirklich gut beraten gefühlt, zumal ich das Gefühl hatte, dass es keine Rolle spielt, was für Qualifikationen man hat, oder eben nicht hat – weil einfach fast alle genommen werden.

Zudem war ich insgesamt irgendwie enttäuscht von den anderen Freiwilligen. Einige waren unheimlich lieb und freundlich und motiviert, aber einige haben sofort gesagt, dass sie das nur machen wollen, weil sie nicht wüssten, was sie sonst tun sollten nach dem Abi. Das fand ich total schade, da ich mir vorgestellt hatte alle wären irgendwie idealistische Weltverbesserer, die höchstmotiviert zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen wollen, etwas zu verbessern und dabei total neugierig sind und lernen wollen. Aber vielleicht war einfach auch nur zu wenig Zeit, die anderen kennenzulernen und in jedem von ihnen steckt doch so ein ideal-Freiwilliger.

Dadurch fuhr ich nach dem Wochenende ziemlich müde und irgendwie enttäuscht nach Hause.

 

Anders war das bei

Brot für die Welt

Zur Organisation:

Brot für die Welt ist eine Hilfsorganisation der evangelischen Landeskirchen in Deutschland, die eigentlich vielen bekannt sein müsste. Sie setzt sich für Menschenrechte und Förderung der Ernährungssicherung, sowie der Bildung und der Demokratisierung ein. Brot für die Welt entsendet in 6 Länder – Georgien, Sambia, Costa Rica, Kamerun und Kambodscha. Ich hatte mich für Sambia und Kambodscha beworben.
Die Bewerbung war recht umfangreich – ein Bewerbungsbogen, Motivationsschreiben (deutsch, englisch und je nach Land noch spanisch oder französisch), Lebenslauf (ebenfalls in eben genannten Sprachen) und optionale Ehrenamtsnachweise.

Nachdem ich mit etwas Schweiß auf der Stirn meine Bewerbung gerade noch rechtzeitig abgeschickt hatte – ich war in einem Pfadfindercamp für meine JuLeiCa-Ausbildung und hatte kein Internet (versucht mal so viele Datein hochzuladen, wenn ihr nicht mal „E“ habt, insbesondere wenn ihr manche vergessen habt Zuhause einzuscannen..) wurde ich Anfang November gemeinsam mit 49 weiteren Bewerber*innen zu einem der zwei Auswahlwochenenden nach Berlin eingeladen.

Zum Auswahlwochenende:

Nach anfänglichen Schwierigkeiten – ich hab mich wirklich schwer getan das Gebäude zu finden und wäre vermutlich ohne Hilfe viel zu spät gekommen – fand ich mich im Diakonie Anwesen in Berlin wieder.

Was mich sofort beeindruckte waren die anderen Freiwilligen. Alle waren offen und freundlich und jeder wirkte total interessant. Die Motivation für den Freiwilligendienst war förmlich zu spüren und das widerum hat mich total inspiriert.

Jeder sollte eine genau 5 Minuten lange, möglichst anschauliche Selbstpräsentation vorbereiten und dabei folgende Punkte klären:
-3 Gründe, warum ich einen Freiwilligendienst machen möchte
-Warum bin ich für einen Freiwilligendienst geeignet?
-Was erwarte ich von meinem Freiwilligendienst und welche Befürchtungen habe ich?
-Was möchte ich in den Freiwilligendienst einbringen und was wieder mit zurück nehmen?
-Wie bereite ich mich persönlich auf den Freiwilligendienst vor?

Ich hab dies in Form von Gegenständen versucht zu beantworten. Gegenstände, die mich irgendwie ausmachen.

Nachdem wir zuerst einige Informationen zur Organisation des Freiwilligendienstes bekamen, ging es dann los mit den Präsentationen, die insgesamt etwa 2-3 Stunden in Anspruch nahmen. Alleridings war es größtenteils so interessant, dass die Zeit wie im Fluge verging.

Auch am nächsten Tag ging es wieder interessant weiter – es folgten Einzelgespräche, die jeweils 35 Minuten dauerten und währenddessen die Wartenden sich zu den jeweiligen Ländern näher informieren konnten.
Vielleicht fragt sich der oder die ein oder andere, wie so ein Einzelgespräch verläuft.
Nun, meins empfand ich als sehr angenehm und enspannt, auch wenn ich unfassbar nervös war.
Es wurden Fragen zur Motivation und zum Lebenslauf gestellt – Wieso möchte man einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst machen und nicht nur einen europäischen? Wie reagiert man, wenn es nichts zu tun gibt im Einsatzgebiet oder wenn man komplett überfordert ist? Wie sieht es aus mit dem Glauben – als Christin, beispielsweise, macht es mir da etwas aus in einen buddhistischen Tempel zu gehen? Hat man einen Partner und wie stellt man sich das weiterhin alles vor?

Einige Gespräche verliefen provokanter als andere und ich glaube, dass es „richtige“ Antworten so in der Art gar nicht gibt, auch wenn man natürlich hofft, so eine richtige Antwort gegeben zu haben.
Ich jedenfalls habe, wieso auch immer, in meinem Gespräch auch über Sexismus in Deutschland und in der Werbung gesprochen, ein Thema, das mich sehr interessiert, sowie auch über die Religionskritik Nietzsches (ich hab keine Ahnung mehr, wie das zustande kam.)

Es folgten am Nachmittag weitere Rollenspiele und Gruppendiskussionen („Ist ein Freiwilligendienst als Ergänzug zur entwicklungspolitischen Zusammenarbeit wirklich sinnvoll?“ (-Ja.)), sowie weitere Länderpräsentationen der Zurfs – der zurückgekehrten Freiwilligen.

 

Nach dem Wochenende jedenfalls mussten wir nicht lang warten – schon 3 Tage später erhielten die ersten ihre Zu-, bzw Absagen – und in meinem Fall war es eine Zusage.

Richtig.

Ich gehe mit Brot für die Welt ein Jahr lang nach Kambodscha.

 

Was genau ich machen werde, schreibe ich besser in einem anderen Post, dieser ist schon gnadenlos überladen, aber ich hoffe, er ist dabei trotzdem interessant gewesen.

Ich jedenfalls kann mich kurz entspannt zurücklehnen und mich freuen, dass ich genommen wurde – aber auch nur wirklich kurz, denn jetzt geht es mit der Vorbereitung sowohl für meinen Freiwilligendienst als auch fürs Abitur so richtig los.

Aber komme was wolle –  die Geschichte mit den Bewerbungen, das Zittern und Bangen um einen Platz im Brot für die Welt Freiwilligenprogramm – diese Geschichte ist vorbei und fand ein gutes Ende.

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2 Kommentare zu „Die Geschichte von den Auswahlwochenenden

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  1. Hey, total cool dass du meinen kleinen Blog gefunden hast 🙂
    Mit welcher Organisation/welchem Programm bist du denn in Polen? Und wo würdest du danach gern hin?
    Die Bewerberei war super anstrengend und ich bin einfach nur dankbar und erleichtert, einen so tollen Platz bekommen zu haben. Auch wenn die ganze Arbeit natürlich erst noch losgeht.

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  2. das freut mich wirklich sehr für dich, dass du einen Platz bei einer so coolen Organisation bekommen hast! Ich bin gerade für ein Jahr in Polen, und habe die Bewerberei noch gut in Erinnerung… und wenn man es genau nimmt, bin ich auch schon wieder dabei, mir einen Freiwilligenplatz für das nächste Jahr zu sichern 😀

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